Digitalität – Hat der Fernunterricht eine Zukunft?

Das Verhältnis zu handwerklichen Berufen hat sich schon vor Jahren verändert. Immer mehr Menschen entscheiden sich für eine Hochschulausbildung und nicht für eine Lehre, obwohl die Jahre mit Pandemie hier einen kleinen Einbruch verursacht haben. Handwerkliches Können wurde in den letzten Jahrzehnten als minderwertig interpretiert und so kam es zu einem Überschuss an Abiturienten und in der Folge an Studierenden an den Universitäten und Fachhochschulen. Durch die Pandemie haben wir alle erfahren, dass vieles, was zuvor eine Präsenz erforderte, doch auch online zu erledigen ist.

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Online versus Präsenz

Jeder Mensch lernt unterschiedlich. Für alle aber sind Motivation und Organisation zwei wichtige Meilensteine für das Erzielen jedweden Lern-Erfolgs. Ein Hochschulstudium bereitet per Definition auf eine Position in Wissenschaft und/oder Lehre vor und ist mehr theoretisch ausgelegt. Es müssen keine Kanten gehobelt und kein Teig hergestellt werden wie etwa bei der Ausbildung zum Schreiner oder Bäcker. Dadurch kann die Frage nach der Notwendigkeit von Präsenz-Unterricht überhaupt gestellt werden.

In Deutschland gibt es nur eine öffentlich-rechtliche Fernuniversität, an der zahlreiche Dozenten und Dozentinnen online unterrichten. Die Fernuniversität Hagen wurde bereits 1974 gegründet, um Menschen einen Bildungsweg zu eröffnen, den sie aus verschiedenen Gründen erst später im Leben einschlagen konnten oder wollten. Seit den Anfängen der Fernuniversitäten mag viel Zeit vergangen sein, die Herausforderungen sind aber dieselben geblieben.

Motivation und Ordnung

Wem es schwer fällt, sich selbst zu organisieren, der empfindet es als fast unmöglich, diesen Bildungsweg einzuschlagen und hat damit Recht. Ein Präsenzstudium erfordert Eigenorganisation, aber ein online Studium noch mehr, da es weniger Kontrolle gibt, die den Lernenden in eine Organisationsform zwingt. Wer nicht strukturiert ist, verliert auch leichter die Motivation, denn Chaos motiviert nicht. Schnell wird der Lernende von der Unordnung überfordert und sieht vor lauter Bäumen den Wald nicht mehr. Je weiter man in Unordnung versinkt, desto geringer ist die Motivation und am Ende leiten ausbleibende Erfolgserlebnisse eine Negativspirale ein.

Wie schafft man ein Fernstudium?

Da jeder Mensch, wie bereits erwähnt einen unterschiedlichen Lern-Stil hat, wird der Präsenzunterricht immer für diejenigen lebendig bleiben, die sich nur schwer selbst organisieren und motivieren können. Dabei ist weder das Eine noch das Andere höher zu bewerten, es handelt sich einfach um unterschiedliche Herangehensweisen ans Lernen. Auch ein Fernstudium lässt sich leichter bewerkstelligen in Gesellschaft anderer. Der Austausch mit Kommilitonen ist nicht durch andere soziale Kontakte zu ersetzen, denn man sitzt im gleichen Boot und versteht einander in diesem Aspekt des aktuellen Lebens.

Wer sich selbst motivieren kann, sich kurzfristige und langfristigen Ziele setzt, sich diszipliniert an einen täglichen Stundenplan hält und es liebt, Abgabetermine einzuhalten, der wird mit einem Fernstudium glücklich werden. Aber auch hier spricht nichts dagegen, sich einer realen Lerngruppe anzuschließen oder einzelne praktische Kurse zu den verschiedenen Themen des Studiums zu besuchen.


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