Selbstständig als Programmierer: Die ersten Schritte und Hürden

Selbstständiger in der IT

Selbstständigkeit, Finanzierung, Vertrieb und Kommunikation

Jahr für Jahr steigt die Nachfrage nach Informatikern auf einen neuen Höchststand. Als selbstständiger Programmierer besteht die Aussicht auf höhere Löhne als im Angestelltenverhältnis. Zudem gibt es mehr Perspektiven zum beruflichen Aufstieg. Eine Selbstständigkeit kann sich lohnen, sofern die damit verbundenen Hürden überwunden werden. Dieser Artikel bietet Hilfestellung.

Anmeldung beim Finanzamt und Finanzierung

Die ersten Schritte bestehen darin, sich selbstständig zu melden. Dies geschieht über das Ausfüllen und Einsenden eines Formulars des Finanzamts. Parallel dazu oder nach der offiziellen Gründung ist die Finanzierung zu planen, damit die eigenen Ressourcen und das Marketing finanziell gestemmt werden können.

Programmierer sind für gewöhnlich Freiberufler

Zunächst räumen wir mit einem Mythos auf; nämlich dem der vermeintlich notwendigen Gewerbeanmeldung. Du kannst dir den Betrag zur Gewerbeanmeldung sowie den Gang zum Gewerbeamt als Programmierer in der Regel sparen.

Grund dafür ist die Bewertung als Freiberufler: In der Gesetzgebung wurde nach dem BFH Urteil vom 04. Mai 2004 (XI R 9/03) befunden, dass ein Programmierer eine einem Ingenieur ähnliche Tätigkeit ausüben kann und als Freiberufler gilt. Dies ist dann der Fall, wenn er bei der Entwicklung der Software planen, konstruieren und/oder überwachen muss.

Tut der Programmierer dies hingegen nicht, weil er bereits existierende Systeme umbaut und keine individuellen Anwendungen oder sonstigen digitalen Produkte schafft, dann gilt er als Gewerbetreibender. Die Tätigkeit als Gewerbetreibender ist mit umfassenden steuerrechtlichen Verpflichtungen verbunden und steigert auch die Kosten für den Steuerberater im Vergleich zur freiberuflichen Tätigkeit. Da ein Gewerbe auf einen Programmierer selten zutrifft, wird er als Freiberufler eingestuft und ist zunächst nur zu einer Einnahmen-Überschuss-Rechnung (EÜR) verpflichtet. Gehe deswegen am besten zum Finanzamt in die Gründungsabteilung und lasse dir dort das Blatt aushändigen, um dich als Freiberufler einzutragen. Alternativ sind die Formulare auch online zu finden.

Finanzierung auf vier praktikablen Wegen

Die vier praktikabelsten Wege zur Finanzierung der Selbstständigkeit sind die folgenden:

  • Kombination mit Anstellungsverhältnis
    • Hier arbeitest du im Anstellungsverhältnis, während du die ersten Schritte in die Selbstständigkeit gehst. Das Gehalt aus dem Anstellungsverhältnis verschafft dir finanzielle Sicherheit.
  • Kredit von einer Bank
    • Erhältst du einen Kredit von einer Bank, dann stehen dir auf einen Schlag mehr finanzielle Mittel zur Verfügung. Positive Erfahrungen machten Selbstständige mit Krediten bei der ING. Banken prüfen die Liquidität vor der Kreditvergabe, um sich abzusichern.
  • Förderungen durch die KfW-Bank
    • Die KfW (Kreditanstalt für Wiederaufbau) ist ein staatliches Geldinstitut, das Geschäftsideen, Freiberufler, Unternehmen und weitere Akteure mit finanziellen Mitteln zu geringen Zinsen fördert, sofern sie für förderungsfähig befunden werden.
  • Finanzierung aus Ersparnissen
    • Wer durch eine Erbschaft, aus dem eigenen Leben oder aus anderweitigen Gründen Ersparnisse vorliegen hat, kann diese in seine eigene Selbstständigkeit investieren. Nicht zuletzt angesichts der geringen Zinsen auf dem Sparbuch ist eine Investition in die eigenen Kompetenzen immer als vernünftig anzusehen.

Eine Web-Präsenz aufbauen

Das 1×1 des Online-Marketings gilt auch für Programmierer, weswegen nach der Anmeldung beim Finanzamt eine Web-Präsenz erforderlich ist. Dein zentraler Vorteil ist, dass du als Programmierer eine Website auf hohem Niveau entwickeln kannst. Es ist optimal, wenn du anspruchsvolle Elemente integrierst: Ob es nun ein animierter Header mit Effekten ist oder aber die Plugins so modifiziert werden, dass sich das Wirken eines Programmierers abzeichnet – zeige auf der eigenen Website, wie weit deine Fähigkeiten reichen.

Gehe aber sparsam damit um, denn eine Website, die einen Effekt nach dem anderen präsentiert, kann den Betrachter überfordern und einen konfusen Eindruck erwecken. Möchtest du zeigen, wie gut deine Fähigkeiten sind, dann lohnt es sich, separate Beispielseiten anzulegen und zu diesen Webseiten zu verlinken.

Aufgabenbereiche abtreten, falls nötig

Mit der Web-Präsenz gehen Aspekte einher, die über die Arbeit eines Programmierers hinausreichen:

  • Webdesign
  • Suchmaschinenoptimierung
  • Textverfassung
  • Individuelle Marketingmaßnahmen

Wäge ab, ob du dir all diese Arbeiten zutraust. Ein Programmierer muss noch lange kein guter Designer sein – ohne dir zu nahe treten zu wollen. Lasse dir bei Bedarf durch einen Designer ein stimmiges Layout anfertigen. Das nimmt dir Arbeitsaufwand ab und ist eine gute Vorlage für deine Arbeit. Anhand dieser Vorlage kannst du deine individuellen Anpassungen mittels Programmierung vornehmen.

Gleicher Sachverhalt gilt für die Suchmaschinenoptimierung und Textverfassung: Wer delegiert, der dirigiert – überlasse diese Aufgabenbereiche den Personen, die damit Tag für Tag zu tun haben und entsprechend spezialisiert sind. Du ziehst dich in die Rolle des Beobachters und Lenkers zurück und pflegst am Ende nur die Texte ein oder gibst das Budget vor, damit deine Website über gute SEA beworben wird.

Freelancer bei der Arbeit

Aufbau der Website als Schlüssel zu ersten Kooperationen

Es lohnt sich, auf Tuchfühlung mit anderen digitalen Dienstleistern sowie Freiberuflern zu gehen, weil du auf diesem Wege über deine eigene Website hinaus Potenziale erschließt. Du lernst geschäftliche Kontakte kennen, mit Hilfe derer du deinen Kunden umfassendere Leistungen anbieten kannst.

Hierfür gibt es den Fachbegriff der vertikalen Kooperation. Bei dieser schließen sich zwei oder mehr Unternehmer aus einer Branche (Digitale Dienstleistungen), aber unterschiedlichen Stufen der Wertschöpfungskette (du als Programmierer und ein Texter/Suchmaschinenoptimierer), zusammen, um sich gemeinsam Kunden zuzuspielen oder füreinander Werbung zu machen. Diese Kooperationen ergeben allem voran deswegen Sinn, weil viele Kunden an Komplettpaketen interessiert sind.

Zwar haben es Programmierer aufgrund der hohen Nachfrage leichter als andere digitale Dienstleister, separat engagiert zu werden, aber in Kombination mit Textern, Suchmaschinenoptimierern, Designern und weiteren Dienstleistern steigt die Wahrscheinlichkeit, Unternehmen und Einzelpersonen durch umfassende Dienstleistungspakete langfristig als Kunden zu gewinnen.

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Vertrieb und Kommunikation mit Kunden

Sollte es nicht deine persönliche Stärke sein, mit Kunden zu kommunizieren oder sie am Telefon von deinen Diensten zu überzeugen, dann ist es optimal, wenn du ein oder zwei Freiberufler provisionsbasiert als Vertriebler einstellst. Kommt es zur Kommunikation mit Kunden, dann solltest du optimal vorbereitet sein, um ein gelungenes Einwandsmanagement betreiben zu können. Das Buch „30 Minuten Einwandbehandlung“ (Peter Mohr) ist zum Selbststudium empfehlenswert.

Zudem haben wir dir einen hilfreichen Artikel zur Gehaltsverhandlung in der IT-Branche zusammengestellt. Obwohl auf Verhandlungen mit Arbeitgebern ausgelegt, hilft dir dieser Artikel auch bei Verhandlungen mit Auftraggebern. Zum Kontakte knüpfen ist es nützlich, sich über Talentpools mit der IT-Branche zu vernetzen. Hier wird dir die Kommunikation mit Unternehmen bedeutend einfacher gemacht.

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